Am Freitag sind Bine und ich zum ersten Pustertaler Webmarketing Stammtisch. Hanspeda hat geladen und gekommen sind neben uns noch Roland, Stephan und Sabine. Insgesamt ein recht amüsanter Abend rund um Blogs, Twitter und das SMG-Forum, das ja letzthin das Thema Authentizität behandelt hat.
Und über dieses Thema möchte ich hier auch ein paar Worte verlieren (wenn es mich nicht täuscht, haben wir am Freitag gesagt, jeder Stammtischler solle was darüber schreiben):
Authentizität im Tourismus heißt – ganz pessimistisch gesehen – das Ausklammern von allem was “nicht schön ist“. Die Seiser Alm, wirklich traumhaft, wird als Himmel auf Erden verkauft, die steckvollen Parkplätze werden ausgespart. Der Südtiroler Speck wird als traditionsreiches Produkt unserer Heimat vermarktet, woher das Fleisch kommt, darüber sagt man nichts. In den Hotels tragen alle, die sich den Gästen zeigen, Dirndl, in der Küche schuftet der albanische Abspüler, den man lieber nicht herzeigen möchte.
Im Prinzip geht es darum, die Gäste glauben zu lassen, das alles Friede, Freude, Eierkuchen sei. Man kreiert ein ideales Bild, retuschiert Unreinigkeiten und schneidet weg, was nicht passt. Das machen alle Urlaubsregionen so, egal ob Bahamas, Sizilien oder Südtirol. Authentisch sind wir nicht, wenn wir ein Foto mit Bauer und Schafen zum Beispiel auf vinschgau.org im Header haben, wir versuchen nur dem zu entsprechen, was sich der Urlauber von uns erwartet. Das gilt selbstverständlich auch für die Texte.
Authentizität ist ein uralter Begriff, dahinter verbirgt sich weit mehr als ein touristisches Modewort. Wer von sich selbst behauptet authentisch zu sein, ist es in Wirklichkeit nicht, er inszeniert das nur, weil er dem entsprechen will, was man von ihm erwartet. Deswegen: lassen wir es lieber bleiben von Authentizität und seien wir ehrlich. Das touristische Südtirol ist nichts anderes als eine perfekte Inszenierung. Und das ist jetzt nicht negativ oder pessimistisch, sondern ganz realistisch und durchaus lobend gemeint!
Bevor es jetzt noch philosophischer wird, setze ich einen Schlussstrich und einen Link auf www.suedtirol-ist-schoen.eu. Viel Spaß damit!



Am 16. Juni 2009 um 20:58 Uhr
Eine perfekte Inszenierung von unserem kleinen mediteran angehauchten Land der Berge, das schafft vertrauen und das ist unser Geschäft. Doch sieht es in Wirklichkeit anders aus?! Eine authentische Umsetzung, ist das realistisch? Verkaufen wir unsere Heimat oder sogar unsere Identität?
Am 17. Juni 2009 um 07:54 Uhr
Hei Sabbi! Verkaufte Heimat, ja. Hin und wieder kommt mir das schon so vor.
Andererseits muss ich sagen, dass das Bild das die Werbung verkauft (zumindest was Berge und Natur angeht) schon stimmt. Die Möglichkeiten die man als Naturmensch hier hat, sind einfach unglaublich.
PS: wusste gar nicht das du das “bergportal” mitbetreust!! Tolle Seite!
Am 17. Juni 2009 um 21:56 Uhr
Hallo, ja da hast du recht damit…
Danke für die Komplimente fürs Bergportal;-)