“Do Firschtbam”

Der Senf von Steffi A Hetz muss sein, Für zache Hund Kommentar hinzufügen

Manche Sitten aus Großmutters Zeit scheinen uns heute vielleicht etwas sonderbar, manche alten Gebräuche wollen nicht mehr so recht ins Heute passen und werden von vielen wohl auch gar nicht mehr ernst genommen. Etwa die strenge Fastenzeit vor Ostern; oder dass sich Männlein und Weiblein erst näher kommen dürfen, sobald sie sich Gottes Segen eingeholt haben. Dagegen gibt es aber auch Traditionen, bei denen es jammerschade wäre, wenn sie in Vergessenheit gerieten.

Worauf ich hinaus will: Letztes Wochenende hab ich zum ersten Mal in meinem Leben ein richtiges “Firschtbam-Fest” (Firstbaum-Fest) miterlebt – und das gleich hautnah. Soweit ich weiß, wird diese Tradition im deutschen Sprachraum auch Richtfest, Hebfeier oder Gleichenfeier genannt und ihre Ursprünge sollen bis ins Mittelalter zurückgehen. Wie diese besondere Baustellen-Feierei idealtypisch abzulaufen hat, kann ich euch nicht sagen, aber ich weiß jetzt: Es ist halbwegs ein Spektakel, ein mordsmäßiges Tam-Tam für alle Beteiligten und auf jeden Fall eine äußerst spaßige und nasse Angelegenheit – und das nicht nur bei Regenwetter, wie wir es hatten.

Stattfinden tut das “Firschtbam-Fest”, wenn der Rohbau und der Dachstuhl bzw. das Dach eines Hauses fertig sind. Dann holt sich der Bauherr ein hübsches Bäumchen (bisweilen einen Baum) aus dem Wald, schmückt ihn mit weißen und roten Schleifen und versammelt alle, die bisher am Häusle-Bau beteiligt waren, auf der Baustelle. Im besten Fall am Freitagnachmittag. Eine Abordnung – Bauherren, Zimmerer, kräftige Burschen… – begibt sich dann hinauf aufs Dach, um mit einem Seil und reiner Muskelkraft den “Firschtbaum” auf den “Firscht” (Dachfirst) zu ziehen. Das ist natürlich eine äußerst schweißtreibende und überaus kräfteraubende Aufgabe, die viel Zeit, lautstarkes Anfeuern von den Zuschauern und ausreichend Flüssigkeit erfordert – und anschließend ein ausgiebiges „Firscht-Mahlile“ mit Speis und Trank, damit sich alle wieder stärken konnten.

Wir brauchten an die eineinhalb Stunden, so manches Bierfläschchen, eine mutige Ziehorgelspielerin sowie eine “Juchiza”-Schulung durch einen kompetenten Zimmerer, um den Baum schlussendlich am Dach zu haben.

Laut unserem Zimmermann wird dieser spaßige Brauch jedoch lange nicht mehr überall praktiziert und auch als ich letztens mit einem Landsmann aus Bozen geredet habe, wurde ich recht ungläubig gefragt, ob es das “Firschtbaum-Fest” bei uns tatsächlich immer noch gibt. Schade eigentlich – ist es doch eine nette Tradition und in jedem Fall ein riesen Spaß…

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