Gipshaxen im Akkord: die Schattenseite des Skifahrens
Der Senf von Michi Für zache Hund Kommentar hinzufügenHat jemand am letzten Freitag die Reportage “Gipshaxen” im Rai Sender Bozen gesehen? Nach den Nachrichten? Ich sag nur: göttlich! Günther Götsch und Andreas Niederkofler blickten mit ihrer Kamera einen Tag lang in die Erste Hilfe Abteilung des Krankenhauses von Bruneck. Der pure Wahnsinn.
Der Kronplatz ist wohl das größte Skigebiet in Südtirol. 109 km breite und schöne Pisten, x Schneekanonen, damit man auf unserem Giggo überhaupt Skifahren kann und jeden Tag – zumindest während der Hauptsaisonen – über 15.000 Skifahrer. Dass es da mal kracht, Bänder reißen und Haxen brechen, ist logisch. Dass es aber täglich bis zu 300 Verletzte gibt, die allesamt ins Brunecker Krankenshaus kommen, hingegen nicht unbedingt.
Und genau darum ging es in der halbstündigen Reportage am Freitagabend: um verletzte Knochen und ebenso verletzte Seelen und wie die Brunecker Ärzte und Krankenpfleger in der Ersten Hilfe zumindest Ersteres zu kitten versuchen. Es wird eingerenkt, gegipst, Blut abgesogen, gegipst, gut zugeredet, abgetastet, gegipst und gebohrt. Genau, gebohrt. Und zwar in die Ferse. Niederkofler und Götsch’s Kamera hält erbarmungslos drauf, als ein Arzt die Ferse einer Patientin durchbohrt, um das Bein später mittels Metallstift und Gewichten zu stabilisieren und filmt den lachenden Arzt, der auf die Frage, wie es sich denn anfühle einen Fuß zu durchbohren, antwortet, dass es schon spannend sei über Haut und Fleisch zum Knorpel und zum Knochen zu stoßen.
Szenenwechsel: nebenan wird ein Kind von Hals bis Hüfte eingegipst: gebrochene Rippen. Wenig später renkt Dr. Kofler Handgelenke wieder ins Lot und zieht danach aus dem Knie eines Mädchens drei Ampullen mit Blut. Ein anderer Arzt scherzt gleichzeitig über immer gleiche Skiverletzungen und beruhigt einen italienischen Touristen, der dank einer ordentlichen Ladung Schmerzmittel nicht mehr richtig weiß wie im geschieht. Im Wartesaal stapeln sich indes die Patienten, Wartezeiten von bis zu 4 Stunden sind normal, Skischuhe taumeln von den Pritschen, Skier und Stöcke werden beiseite geschafft, Notfälle kommen, eingegipste Arme und Beine gehen. Es geht zu wie auf dem Markt im Brunecker Spital.
Respekt dem Pflegepersonal, den Ärzten und den sonstigen Helfern gegenüber. Der Film zeigt eindrucksvoll und mit gesundem Humor, wie es in der Ersten Hilfe im Winter zugeht. Ich hoffe nur, ich bleibe verletzungsfrei: jetzt, wo ich gesehen habe, wie was behandelt wird, ist mir fast schon die Lust am Skifahren am Kronplatz vergangen… Autsch…



Am 3. März 2008 um 18:29 Uhr
Leider nicht gesehen, mir bleibt, es mir nach deiner Schilderung in den schillerndsten Farben auszumalen – und zu hoffen, dass ich das KH in Bruneck nie von innen sehen muss
Es ist aber auch zu verlockend – und es sind zu viele unterwegs, die nicht wissen, was sie tun – leider…..
Griassle, Eveline
Am 4. März 2008 um 10:27 Uhr
Ich hatte das Glück vor einigen Jahren Ende Jänner operiert zu werden, durfte zu 4 im 3-Bett Zimmer liegen, aber es gab auch einige die im Gang übernachteten, also konnte ich gut damit leben…;)
Am 4. März 2008 um 10:33 Uhr
Wow, da hast Du nochmal Glück gehabt mit einem Zimmer! Zum Glück ist die schlimmste Zeit vorbei, jetzt sind weniger Leute auf den Pisten unterwegs und im Krankenhaus könnten mehr Zimmer frei sein… Jetzt ist wohl die bessere Zeit sich weh zu tun
Am 4. März 2008 um 11:47 Uhr
juhuuu, dann werde ich mich mal anstrengen am wochenende… jetzt mit dem Neuschnee…;)
Am 4. März 2008 um 15:01 Uhr
Mit 6 Jahren habe ich mich mal beim Skifahren verletzt, danach hatte ich immer einen Schutzengel. Manchmal kann man wirklich von Glück sprechen, dass einem nichts passiert ist. Aber ich fahre auch nie den ganzen Tag, entweder am Vormittag bzw. am Nachmittag auf der Piste reicht mir, dann kann es gemütlicher werden.