Plädoyer gegen Väterchen Frost

Der Senf von Steffi Alltagsgschichtn Kommentar hinzufügen

Tag 1 der Verhandlungen. Auf der Anklagebank: Väterchen Frost. Zentraler Punkt der Anklage: Herr Frost treibt es heuer in Südtirol eindeutig zu bunt – besser gesagt: zu kalt. Zu lang zu kalt, viel zu lang. Forderung der Klägerseite: Dass Herr Forst die Eiseskälte, die er in den vergangenen Wochen über weite Teile Südtirols verbreitet hat, auf der Stelle einstellt. Südtirol ist nicht Sibirien!

Oder doch? Vielleicht hat sich irgendwann über Nacht heimlich die Weltkarte verdreht. Könnte da jemand im Weltall bitte mal so nett sein und das überprüfen? Denn die Temperaturen in letzter Zeit wecken doch einige Zweifel, ob wir uns geographisch und klimatisch noch in der richtigen Zone befinden. Von der allseits bekrittelten Klima-Erwärmung ist zumindest grad nichts zu merken.

kaltLaut Südtiroler Wetterdienst war der Jänner 2010 sehr trocken und kalt, mit „Temperaturen leicht unterhalb der langjährigen Mittelwerte“. Leicht unterhalb…? Naja. Der Meteorologe, der die Mitteilung verfasst hat, hat wahrscheinlich in seinem fein beheizten Büro in Bozen gesessen, nachdem er wie jeden Tag mit seinem Auto mit Stand- und Sitzheizung aus der Garage zur Arbeit gekommen ist.

Wenn man allerdings im Osten des Landes täglich 20 Minuten zu Fuß zum Arbeitsplatz unterwegs ist, schaut das Ganze etwas anders aus. Denn hier lag in letzter Zeit nicht nur die gefühlte, sondern auch die tatsächliche Temperatur oft weit unter dem Durchschnitt: -23°C am Montag in Innichen, -18°C am Dienstag vor meiner Haustür, -17°C am Mittwoch in St. Lorenzen…

Die Wetterfrösche sagen, das liegt im Moment an der polaren Kaltluft über uns. POLare Kaltluft. Nach mir gehört die – wie der Name schon sagt – doch an die POLE. Ob Nord- oder Südpol wär mir dann herzlich egal. Schließlich wohnen wir ja in SÜDtirol. Das deutet ja auch schon an: SÜDEN = warm, Sonne,  Sommer… oder nicht?

Ich geb ja zu: Ich bin ein Sommermensch. Und heuer hab ich einfach gar keine Lust mehr auf Kälte und Eis. Heute Morgen hatte es im Pustertal schon mal nur noch -4°C. Schließlich sitzt Väterchen Frost ja auch in Untersuchungshaft. Da hat er für die Zeit seiner Abwesenheit wohl auf Schnee-Automatik gestellt.

Über den weiteren Verlauf der Verhandlungen wird berichtet.

PS.: Ganz so schlimm wie den Leuten in Oimjakon ergeht es uns zum Glück nicht. Im angeblich kältesten bewohnten Ort der Welt im Osten Russlands hat es so zwischen -60 und -70°C. Länger als eine Minute darf man dort die Handschuhe nicht ausziehen, sonst gibt es auf der Stelle schwere Erfrierung. Autos werden dort im Winter gar nicht abgestellt, andernfalls würden sie wahrscheinlich nie wieder starten. Und in der Schule gibt es Kälte-frei, aber erst ab -54°C.

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4 Reaktionen zu “Plädoyer gegen Väterchen Frost”

  1. Bine

    hoffmos bleiba no awion in u-haft :)

  2. Flo

    Ja, das Pustertal ist schon ein Kälteloch, da lob ich mir doch die warmen Temperaturen im Eisacktal mit z.B. 0° gestern früh…

  3. michi

    steffi, super text. du mochsch des super. und i bin deiner meinung: gscheider es isch wianiger kolt und letz wetto noa schneibs wenigstns ordentlich!!

  4. Bruder „Langis“ | Suedtirol Blog

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