Am Samstag war ich in Bozen, beim School’s Out “Festival”. Ja, eigentlich bin ich zu alt dafür, aber The Witch nochmal live zusehen, bevor Wäg nach Kanada fährt, das war mir die Fahrt in die Bozner Messe wert. Und NOFX traten ja auch auf.
Gegen 5 kamen wir in Bozen und in der schiachen Industriezone an. Dort parkten wir bei der Messe und mussten fest aufpassen keinen Punk, Skinner oder Emo unter die Räder zu kriegen, die sich draußen mit selbst mitgebrachtem Leps Heiterkeit antranken. Genau, das deshalb weil man im “Festival”-Gelände nix Alkoholisches zu trinken bekam. Die Jugend, ja, man muss sie schützen vor dem Alkohol. Aber groß Forstbierwerbung an der Mauer der Messe, das schon. Doppelmoral a la Südtirol.
An der Kassa die erste Watsche: 25 € Eintritt und das Verbot, noch einmal reinzugehen, wenn man einmal rausgegangen ist. Na danke, gefangen in Beton. 25 € waren uns mehr Wurst, man tut ja fleißig arbeiten, wie es sich eben gehört, für die vielen Schüler aber eine ziemliche Stange Geld. Am Einlass wurden wir von der Polizei überprüft. Taschen und Rucksäcke auf, Schirme dalassen, alles aus den Hosentaschen raus. Einem Jungen in der Reihe vor mir wurde das zum Verhängnis. In seinem Marsupio hatte er in einer Fotorolle ein kleines Bröckchen Haschisch (Oh mein Gott). Gleich ein breites Grinsen im Gesicht der Politesse und schon kamen eine Reihe anscheinend fachkundiger Polizeikollegen, um am Kügelchen zu riechen. Der gute Bui musste wohl aufs Konzert verzichten. Und das wegen dieses Klümpchens. Mein Gott, lasst ihm doch das bisschen Spaß, dachte ich mir, wenn er drinnen sonst keinen findet!
Im Betongelände der Messe dann logisch nur wenige Leute, null Stimmung und Kälte. Kälte vom Wetter und von der trostlosen Umgebung. Warm wurde es erst um halb 12, als NOFX die Bühne betraten. Reichlich spät für ein ganztägiges “Festival”… (Im Bild: Eating Seats)
Wenn schon nix trinken, dann essen, haben wir uns gesagt, und uns gleich mit spitzenmäßigen Hamburgern eingedeckt. Das hatte Bauchstechen zur Folge, denn ein Verdauungstrunk blieb uns ja verwehrt. Stellt Euch mal vor, auf einem Kirchtag wär das so, dass man zum Hühnchen kein Bierchen bekäme. Dass es nach dem Würstchen kein Schnäpschen gäbe und zwar für alle und nicht nur für die unter 16-jährigen. Dass man das Tanzbein ohne Wein schwingen müsste. Da wär das Donnerwetter groß.
Typisch Südtirol eben. Den einen etwas verbieten und den anderen dasselbe anpreisen. Die Liederszene in Eigenregie alles organisieren lassen und ihnen dann das Ausschenken von Alkohol verbieten. Mies find ich das und schade für die vielen guten Bands, die vor einer Handvoll Leuten spielen mussten statt vor vielen ausgelassen Musikfans, während sich der Rest vor den Toren der Messe “zu Fleiß” volllaufen ließ.
Und wer jetzt sagt: „Siegsch amol, die Jung welln lai saufn und die Musik isch ihman Wurscht“, hat sich getäuscht. Die Leute haben es satt, sich die Freiheit verbieten zu lassen! Das hat mit Musik nix zu tun!



Am 17. Juni 2008 um 14:20 Uhr
Das Festival hört sich ja traurig an… Gott sei dank liegt meine School Out Fete um ein paar Jahre zurück, dort gab es noch nicht die “prutale” Propaganda!
Am 17. Juni 2008 um 14:25 Uhr
Kompliment für diesen Beitrag, du sprichst mir aus der Seele, wenn du sagst, die Leute hätten es satt, sich die Freiheit verbieten zu lassen!
Da fällt mir gerade eine kleine Geschichte zu diesem Thema ein. Ich war mal in Bozen auf einem Konzert der Toten Hosen. Auch dort war der Verkauf von Alkohol verboten worden. Allerdings haben die Hosen einen Formulierungsfehler des Verbotes ausgenutzt. Es wurde nämlich nur verboten den Alkohol zu “verkaufen”, von verschenken hatte keiner was gesagt. Also hat die Truppe einfach ein paar 1000 Dosen Bier mitgebracht und an die Leute verteilt. Et letz, gell…
Am 17. Juni 2008 um 14:27 Uhr
Wow, sell isch a super Sache! Die Bands hom a nix Alkoholisches zum Trinken kriaf. Die NOFX hom lamma bled gilocht über ins Provinzler… Schode ums Festival.
Am 17. Juni 2008 um 14:40 Uhr
@michi: Itz scham i mi schun wiedo fir ins Südtirola, obwohl i gor nix dofir konn!
Am 17. Juni 2008 um 14:42 Uhr
i jo a net. niamand konn wos dafür.
obwohl… a poor leit follatn mo itz dechto in und zwor de, de olm recht groaß und weltoffen tian…
Am 17. Juni 2008 um 14:49 Uhr
Jo, mir folln a a pour in, obo de sig man seltn af sella Veronstoltungen
Am 17. Juni 2008 um 14:55 Uhr
Gonz genau, eher auf selche mit viieeeel Alkohol
Am 17. Juni 2008 um 15:00 Uhr
…und mit viieeeel guitn Essn, net la Hamburga…
Am 17. Juni 2008 um 15:01 Uhr
jep. und wo sie koane 25 € Eintritt zohln missn, sondern fürs Kem gizohlt werden
Am 17. Juni 2008 um 15:02 Uhr
… und mit an chaufour!
Am 17. Juni 2008 um 15:04 Uhr
suscht werds auto no sequestriert und sell geaht ette
Am 17. Juni 2008 um 22:04 Uhr
jawoll! gewisse panzn mochn ols hin und de wermo oanfoch et los.
doppelmoral=südtirol
Am 20. Juni 2008 um 15:21 Uhr
bravo, in letzten obsotz het i schreiben gekennt!
Am 20. Juni 2008 um 17:58 Uhr
Hallo,
ja was soll ich euch sagen?? Das Schlimme an der Sache ist, dass die Politiker auf die Jugend schimpfen und ihr alles verbieten wollen, weil die Jugendlichen ja so schlimm sind (sie waren in ihrer Jugend nicht viel besser, schade ist nur, dass sie sich daran nicht mehr erinnern bzw nicht mehr erinnern wollen. Sie nehmen sich aber nicht die Zeit um selbst vor Ort zu schauen, was da so abläuft/schiefläuft, denn sonst würden sie merken, dass die Jugend von Heute wesentlich besser ist, als ihr Ruf. Es gibt und gab in jedem Jahrzehnt eine kleine Randgruppe, die nie wusste wie sie sich benehmen soll und bei jeder Gelegenheit über die Stränge schlug. Der einzige Unterschied lag/liegt darin, dass diese Jugendlichen damals um die 18 waren. Heute sind es Jugendlichen so zwischen 13 und 17 Jahren. Und sowas fällt halt mehr auf.
Aber was solls.
Es war sowieso das letzte School’s out Festival, denn auch wenn wir im nächsten Jahr wieder eines mit Bier organisieren würden, würde eh nur über Alk berichtet und die Betrunkenen “interviewt” und fotografiert.
Und das bringts eh net. Darum basta und Schluss damit.
W.
Am 23. Juni 2008 um 07:27 Uhr
Hallo Walter,
danke für deine Stellungnahme. Kann gut verstehen, dass Ihr das Handtuch werft. Es ist schon zum Verzweifeln, wie man eine ganze Generation in ein und dieselbe Schublade steckt und Ihnen so die Möglichkeit nimmt sich zu entfalten.
Am 24. Juni 2008 um 14:46 Uhr
Kompliment an das Land. Ihr habt uns das größte Festival Südtirols “genommen”! Anstatt mit den Jugendlichen zu arbeiten habt ihr gegen sie gearbeitet. Gute Arbeit. Schön weiter alles verbieten. Das bringt Erfolg!
Am 24. Juni 2008 um 14:48 Uhr
… und viele junge Stimmen bei der nächsten Wahl. Denkste!
Am 24. Juni 2008 um 15:30 Uhr
[...] uns bestimmen die Medien die politische und sozialpolitische Agenda, nicht die Politik selbst. Beim School’s Out fotografieren die Medien ein paar Betrunkene und es heißt dann alle würden saufen und die [...]