Unbekannte Geheimtipps

Der Senf von Michi Für zache Hund Kommentar hinzufügen

Südtirol ist vermenarisiert und verrampolisiert. Es gibt kaum einen Berg mehr, den unser Haus und Hof Bergsteiger Hanspaul Menara nicht im Dolomitenmagazin veröffentlicht hat, kaum einen, der noch nicht durch Josef Rampold hochstilisiert wurde und nur noch ganz wenige, auf denen man auch im August mal allein sein kann.


Kaum zu glauben aber wahr: vor lauter Mitteilungswut – suedtirol.com eingeschlossen – gibt es in Südtirol eigentlich keine weißen Flecken mehr. Jeder Ort ist benannt, ein jedes schönes Plätzchen als Geheimtipp oder Tipp der Redaktion vermarktet, auf jeden Berg führt ein Weg oder gar eine Seilbahn. Gerade jetzt im August sind viele, vor allem einfache, Berge überrannt, die gut gelegenen Hütten machen das Geschäft des Jahres (hoffentlich!).

Wer aber Ruhe sucht, der muss schon Bergziele auswählen, die man nur vom Hören-Sagen kennt, bei denen man noch Mama und Papa nach Auskunft bitten muss, weil hippe, neue Wanderführer die Gipfel gar nicht kennen wollen. Es gibt sie noch, solche Berge, auf die sich auch in guten Jahren nur eine Handvoll Leute verirrt. Zum Beispiel auf die Kleine Windschar.

Da war ich gestern oben. Allein. Oder besser gesagt zu dritt. Meine Bergkollegen und ich. Wir machten den erst dritten Gipfelbucheintrag heuer und schauten zur Großen Windschar hinauf, wo sich mindestens 15 Leute tummelten. Gut, andererseits kein Wunder, dass niemand auf den kleinen Bruder geht. Der Anstieg zur Kleinen Windschar hört wirklich nicht mehr auf, man steigt mindestens eine Stunde über böses Geröll bis man endlich zum brüchigen Gipfelaufbau kommt. Hier gibt es nur wenige Griffe und Tritte die halten und der Grat ist recht luftig. Wirklich keine Familienwanderung.

Aber trotz alldem: kein Mensch weit und breit, wunderbare Platten- und Blockkletterei, spannende Suche nach der richtigen “Linie” und am Gipfel eine fantastische Aussicht auf die “Riesen” Rauchkofel und Fensterlekofel. Da geht übrigens auch keiner rauf: wegen dem langen Zustieg einerseits und andererseits weil es hier keine Wege gibt und jede Menge brüchige Stellen.

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12 Reaktionen zu “Unbekannte Geheimtipps”

  1. Georg

    Yep, gut geschrieben und deshalb werd ich meine ‘abgelegene plätzchen’ nicht preis geben, dort wo sogar noch mein hund die freiheit geniesen kann :-)

  2. michi

    Recht hast du Georg!
    Ja für Hunde sind die Rieserferner-Berge weitgehend nichts. Der Morgenkofl höchstens, knapp über 3000 m hoch. Da führen Steinmännchen hinauf, richtigen Weg gibt es weit oben keinen mehr, zu klettern aber ist hier nichts. Auch Hunde sollten mal 3000 Luft schnuppern oder?

  3. Mü

    Trotz August und Hochsaison war Gerda und ich auch allein auf den Gipfel von Col Bechei. Es kamen uns bis zum Limosee nur 4 Leute entgegen. Ja eigentlich seltsam. Aber den See tauften wir dann zum Lido Col Bechei :) . Trotz Hochseison war es gemütlich in Fanes, das überraschte mich.
    @ Georg – und vieeeelllll Wasser für den Hund, trotz Dolomiten, einfach Super!

  4. Hanspeda

    ich ziehe da schon eher die Lanzwiesen Alm in Olang vor ;)

  5. michi

    Das ist mal ein Geheimtipp: da war ich noch nie!

  6. maik

    Tolle Beiträge! Bin überwältigt! :-)

    Da ich ja quasi mitten in der Rieserferner-Gruppe zuhause bin kann ich die von Michi festgestellten unbekannten Geheimtipps nur bestätigen! Bravo Michi!

    Witterungsbedingt ist es heuer aber eher (bis jetzt) ein noch relativ ruhiges Jahr. Auf jeden Fall hab ich diese Feststellung bei jenen Gipfeln gemacht, die ich heuer “erklommen” habe.

    Auch ich habe – wie Georg – noch ein paar ruhige Geheimtipps, welche ich aber auch nicht weiter erwähnen möchte… ;-)

  7. michi

    Hallo Maik!

    Danke für die Blumen! Würd die Geheimtipps auch nicht verraten, aber kannst du mir die Geheimtipps nicht einfach mailen? info(at)suedtirol.ch. Ich sag sie garantiert nicht weiter!

    Rund um die kleine Windschar gibt es ja jede Menge so Gipfelchen auf die kein Weg führt, auch von Reiner Seite aus. Zwar haben sie keinen Namen, mit dem man sich rühmen könnte, aber irgendwo sein, wo niemand ist, ist einfach ein Wahnsinns-Gefühl!

  8. Bergtour auf den Fensterlekofel

    [...] einiger Zeit habe ich von einsamen Gipfeln geschrieben, von Gipfeln auf die niemand geht, weil sie entweder zu unpopulär sind oder zu [...]

  9. Roland

    Servus zusammen,

    ich weiß gar net, was ihr habt. War letzten Mittwoch auf dem Fernerköpfl, und da ich der 1. auf der Rieserfernerhütte war und Tags zuvor keiner übernachtet hat, war ich auch allein dort oben. Nachdem ich dann noch auf der Geltalspitz war, ist mir im Anschluß auf dem Weg zurück zur Hütte der 1. entgegengekommen.
    Also früh aufstehen, dann kann man auf vielen Gipfeln die Einsamkeit erleben.

    Grüße

    Roland

  10. michi

    Also haben tun wir nichts! Aber dass man im August bei schönem Wetter wirklich nach einsamen Gipfeln suchen muss, das kannst du dir sicher vorstellen. Jetzt im Herbst gefällt es mir in den Bergen viiiel besser: die Kälte schreckt viele ab, weit nach oben zu gehen. Wenn die wüssten, wie schön es jetzt auf den Bergen ist!!

  11. Roland

    Pscht, ist ja schon wieder ein Tipp ;o) Im Juli/August wär’s mir in Südtirol eh zu heiß. Und ihr habt natürlich Recht, dass gerade der August ein extremer Urlaubsmonat ist. Aber auch hier hat man zumindest im Aufstieg und am Gipfel meistens seine Ruhe, wenn man nur früh genug dran ist. Und weglose Gipfel schrecken eh 95% der Wanderer und Bergsteiger ab, obwohl die oft gar nicht so schwer sind…

  12. michi

    Zum Glück tun sie das! War heute auf vielen schönen Bergen, auf die nicht wirklich ein Weg hinaufführt und ich muss sagen: besser geht’s nicht.

    Und gerade jetzt im Herbst: was gibt es Tolleres als auf einem einsamen Gipfel zu sitzen, eingepackt in Winterkleider mit einem warmen Tee in den Händen? Und dann noch die Fernsicht, die man jetzt hat! Einfach traumhaft!!

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