Von Schildern, Schnee und Crocs…

Der Senf von Steffi Für zache Hund Kommentar hinzufügen

Gut, dass die Wandersaison endlich begonnen hat – blöd, dass man auf dem Gipfel wieder Handschuhe und Mütze braucht, mitunter sogar Schneeschuhe. Ganz schlecht sind Schafskälte, Temperatursturz und Schnee vielleicht aber doch nicht. Zumindest könnte sich so die letztens recht hitzige Diskussion um die Schilder in Südtirols Bergen ein wenig abkühlen.

Schnee mitten im Juni. Pünktlich zum Sommerbeginn. Ein bisschen skurril ist das schon. Ein Blick auf die News zeigt aber, es geht noch besser: Da wird auf der einen Seite behauptet, die rein deutschsprachigen Hinweistafeln, die der hiesige Alpenverein (AVS) letzes Jahr auf vielen Wanderwegen neu aufgestellt hat, seien ein Risiko für italienische Wanderer. Auf der anderen Seite gehen Meldungen ein, dass sich eine Frau im Gebirge schwer verletzt hat, weil sie mit Crocs auf einem ungesicherten Steig unterwegs war. Irgendetwas läuft da schwer verkehrt, oder?

Zuerst zu den Crocs. Diese Story, die für die Wanderin gerade nochmal gut ausgegangen ist, hat sich zwar nicht in Südtirol ereignet, sondern im Karwendelgebirge (A). Es hätte jedoch genauso gut in den Dolomiten oder im Ortler-Gebiet sein können. Denn wer öfter in den Bergen unterwegs ist, weiß da so manches zu berichten: von Extrem-Wanderern, die in halber Gletscherausrüstung inklusive Pickel und Steigeisen auf der Almterrasse auf 1.500 m herumstolzieren bis hin zu feinen Damen, die mit Goldsandaletten den Gipfel erobern wollen. Da könnte man glatt meinen, wenn schon neue Hinweisschilder, dann nicht nur in Deutsch und Italienisch, sondern auch noch mit weltweit verständlichen Symbolen, die Crocs, Flip-Flops und ähnliche Dummheiten ab einer bestimmten Meereshöhe verbieten.

Die zweisprachigen Wandertafeln braucht es laut Regionen-Minister Fitto auf jeden Fall, denn ohne die italienischen Übersetzungen könnten italienische Wanderer leicht in die Irre wandern. Der Landes-Luis dagegen will dem Alpenverein keine entsprechende Vorschrift machen, da die Schilder auf deren privater Initiative aufgestellt wurden.
So ganz folgen kann ich der Argumentation in diesem Hin und Her nicht. Herr Fitto selbst scheint jedenfalls kein regelmäßiger Wanderer zu sein und auf den Hausverstand “seiner” Touristen hält er offensichtlich nicht besonders viel. Man kann wohl davon ausgehen, dass jeder Normalsterbliche, der auf die “Malga ANGERER” gehen möchte, auch dem Schild Richtung “ANGERER Alm” folgt. Verwirrender ist es dann schon, wenn der deutsche Wanderer auf die “Kasselerhütte” geht und sein italienisches Pendant zum “Rifugio Roma”, wenn der eine die “Dreizinnenhütte” sucht und der andere “Rifugio Locatelli”.

Egal ob am Ende ein-, zwei- oder fünfsprachig – schlussendlich nützt auch das größte und beste Hinweischild nichts, wenn die richtige Tourenplanung fehlt und die passenden Wanderschuhe ebenso zuhause bleiben wie der Hausverstand.

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2 Reaktionen zu “Von Schildern, Schnee und Crocs…”

  1. G. E.

    Supertoller Bericht! Gefällt mir sehr sehr gut! Was zum Schmunzeln am Montag Morgen, wunderbar! weiter so!

  2. Bine

    alles mögliche trifft man dort oben :) und manchmal ist man selbst auch nicht vorsichtig und sagt danach: heute hatte ich aber mehr Glück wie Verstand!

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