In der Faz.Net hab ich eben einen Artikel über Südtirol bzw. über Brixen gelesen, mit dem klingenden Titel: “Brixen und das Glück der Symbiose“. Der Autor schreibt, dass er als Jugendlicher – vor 25 Jahren – Südtirol gehasst habe und auch lange danach nicht mal im Traum daran gedacht habe, auf dem Weg in den Süden in Südtirol halt zu machen.
Nun, nach vielen Jahren ist er ganz offensichtlich gescheiter geworden und macht seit einiger Zeit immer wieder in Brixen Urlaub. Weil man Brixen die Berge immer und überall sieht, weil es zum Frühstück Speck und Ei gibt, weil die Lauben hier so schön sind, weil man in Brixen und überhaupt in Südtirol so fromm ist und weil ja weil so ein schöner Mix zwischen deutscher Zivilisation und italienischer Lebensart in Brixen herrscht. (Als ob die Italiener keine Zivilisation hätten. Aber Wurst.)
Es ist toll zu lesen, dass der Journalist den wahren Wert Südtirols erst mit dem Alter erkannt hat. So wie es den meisten Menschen auch mit dem Wein geht. Den weiß man scheint’s auch erst mit zunehmender Reife zu schätzen.
Obwohl mir der Artikel sehr gut gefällt, ist er für eine Reportage aber doch recht einseitig (vielleicht ist der Beitrag ja gekauft worden, das kann schon sein). Die Südtiroler werden als Helden beschrieben, die sich von Italien nicht niederringen lassen haben und die heute – anders als früher – sehr gut mit den Italienern auskommen. Südtirol wird als Paradebeispiel der Autonomie und der Kulturen-Verständigung dargestellt.
Setzt man die rosarote Brille mal ab, sieht man sprachlich getrennte Jugendzentren, sprachlich getrennte Chöre, in Bozen fast schon sprachlich getrennte Wohnviertel. Man sieht ewig gestrige Italienerhasser und ebenso hinten gebliebene Faschisten. Gut, das alles muss jetzt nicht unbedingt in einem Artikel über die Schönheit Brixens stehen, aber eine etwas differenziertere Sicht hätte ich mir von der faz eigentlich schon erwartet.
Hier geht es zum Artikel.
PS: seit wann haben wir in Bruneck Lauben?
Tags: Eisacktal



Am 29. August 2008 um 14:49 Uhr
Die Schönheit und die Vorteile unseres Landes erkennen auch viele Einheimische erst mit 30 (ich schließe mich mit ein) – vorher ist Südtirol nur langweilig, spießig, nix los usw.
Es wird für die heutige Jugend mehr geboten und dass der Sport (von MountainBike bis Klettern) wieder populärer geworden ist trägt auch dazu bei dass auch jüngere unser Land toll finden.
Am 29. August 2008 um 21:21 Uhr
Ja, kann ich nur unterstreichen! Werde mir auch mehr und mehr dieser positiven Seiten unseres Landes bewusst; überhaupt wenn man mal ein bisschen -auch nur in der näheren nachbarlichen Welt- egal in welche Richtung- herumfährt und somit notgedrungen Vergleiche anstellt…